Im Alter von sechs oder sieben Jahren fangen Kinder an zu verstehen, dass Menschen unterschiedliche Meinungen haben. Mit etwa acht oder neun Jahren beginnen sie zu entdecken, dass Menschen ein "Innenleben" haben - das heißt, eine Person kann zwar das eine denken, aber etwas anderes tun. Beide Entwicklungen ermöglichen Ihrem Kind, dem Fernsehen - und anderen Formen des Geschichtenerzählens - auf eine neue Art zu begegnen.
Statt sich einfach berieseln zu lassen, kann Ihr Kind aktiv fernsehen. Wie? Indem es lernt über das, was es sieht und hört, Fragen zu stellen. Selbst wenn Sie nicht auf alles eine Antwort wissen, denken Sie laut, und sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Sendung, die sie sich gemeinsam ansehen. So zeigen Sie Ihrem Kind, dass Fernsehsendungen nicht immer einseitig sein müssen. Jede Sendung ist in Wirklichkeit das Ergebnis einer Vielzahl von Entscheidungen, die Menschen bei der Produktion getroffen haben.
1) Stellen Sie Ihrem Kind Fragen zu dem, was es im Fernsehen sieht und hört
Nutzen Sie die Kontrolle, die Ihnen ein Videorekorder ermöglicht. Oder nutzen Sie Werbepausen, um nach dem "Warum" und "Wie" zu fragen, statt Ja- oder Nein-Fragen zu stellen: Ich frage mich, warum der Drehbuchautor wollte, dass der Schauspieler das sagt? Ist dir aufgefallen, dass die schaurige Musik gerade dann einsetzte?
2) Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, warum es bestimmte Charaktere mag
Ihr Kind wird vielleicht nach Vorbildern suchen. Wenn Sie Ihr Kind nicht fragen, was es mutig, bewundernswert oder schlau findet, werden Sie nicht erfahren, warum es bestimmte Charaktere anziehend findet. Wen kennen wir, der das so macht? Ist dieser Charakter wirklich bewundernswert, oder sieht er nur cool aus?
3) Ermuntern Sie Ihr Kind dazu, selbst Bilder zu kreieren
Machen Sie Ihr Kind darauf aufmerksam, dass alle Bilder - im TV, auf Websites oder auf Bussen - von Menschen geschaffen werden. Schließen Sie den Kreis, indem Sie ihm erklären, dass es auch selbst Bilder erzeugen kann. Lassen Sie es Fotos machen, malen, zeichnen oder kritzeln - alles was es dazu anspornt, Geschichten mit Bildern aus der eigenen Fantasie zu erzählen. Bewahren Sie Bleistifte, Buntstifte und andere Zeichenutensilien in der Nähe auf, so dass Ihr Kind Ideen, die während dem Fernsehen entstehen, ausdrücken kann. Dies ist der erste Schritt, Ihrem Kind zu helfen, den Wert bildender Kunst hautnah zu erleben.
4) Lassen Sie Ihr Kind einen Blick hinter die Kulissen von Filmen oder Fernsehproduktionen werfen
Ihr Kind wird vielleicht nicht wissen, wie Regisseure Kameraeinstellungen, digitale Animationen, Stuntleute, Miniaturmodelle, Make-Up, Kostüme und andere Mittel einsetzen, um eine fiktive Geschichte zu schaffen. Sprechen Sie mit ihm über diese Elemente. Fragen Sie sich laut, wie verschiedene Sendungen gemacht wurden.
5) Helfen Sie Ihrem Kind, Aktivitäten zum Ausgleich zu finden - auch körperliche
Lernen Sie Ihrem Kind, Fernsehsendungen vorher auszuwählen, statt nur herumzuzappen. (Versuchen Sie, das Gleiche zu tun!) Versuchen Sie, Ihr Kind für länger dauernde Projekte zu begeistern - eine Sammlung, ein Puzzle, ein Sammelalbum -, auf das es zurückgreifen kann, wenn Langeweile aufkommt. Sollte für das Projekt ein Tisch oder ein spezielles Regal, um das Material unterzubringen nötig sein, schaffen Sie Platz an einem Ort, an dem Ihr Kind ungestört ist.
6) Gewöhnen Sie Ihr Kind an den Klang des Fernsehers
Stellen Sie Ihrem Kind Fragen wie: Welche Musik wird gespielt - und wann? Wie unterscheiden sich die Stimmen der verschiedenen Charaktere? Wie wird Stille eingesetzt? (Mögliche Antworten wären unter anderem: um Spannung aufzubauen; um zu zeigen, dass jemand taub ist; um die Stimmung zu ändern.)
7) Machen Sie "genaues Hinsehen" zu einem Spiel
Finden Sie heraus, wie viele Stimmen oder Akzente, wie viele Kleiderarten, oder wie viele Orte Sie und Ihr Kind bestimmen können. Dies ist auch eine gute Möglichkeit, sich über Klischees zu unterhalten; wer wird im Fernsehen dargestellt? Wer fehlt?
8) Vermeiden Sie Sendungen, in denen Charaktere Probleme durch Anwendung von Gewalt lösen
Machen Sie Ihr Kind darauf aufmerksam, wenn ein Charakter sich durch Schlagen, Treten oder Beißen von Problemen befreien will. Fragen Sie es nach anderen Wegen der Konfliktlösung, wie Verhandeln oder Diskutieren. Erklären Sie, dass Gewalt sehr wohl Folgen hat, diese aber selten in Zeichentrickfilmen gezeigt werden.